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AUSGANGSPUNKTE


DIE LANDSCHAFT UND DAS BAUEN

Ein Vortrag mit Video-Bildern, gehalten am 12.3.1996 im Architektuforum Tirol


Traditionelles Bauen (fälschlich als landschaftsbezogenes Bauen bezeichnet) entstand nicht bewußt, sondern aus Mangel, bzw. durch starken ökonomischen, funktionellen Druck.

Im Bereich des hochkulturellen Bauens sind regionale Bauunterschiede verschwunden. Kirchen, Schlösser u. dgl. waren seit langem den kulturellen Bedingungen ihrer Entstehungszeit mehr unterworfen als der sie umgebenden Landschaft.

Der Begriff des landschaftsbezogenen Bauens behauptet einen möglichen Bezug zwischen Landschaft und Bauform.

Dieser Bezug existiert nicht, kann nicht existieren.

Landschaft ist immer 1 Klischee so wie „der Franzose" oder „der Deutsche". Die uns umgebende Wiklichkeit besteht z.b. in Tirol aus einzelnen Bergen, Tälern, etc. Diese haben 1 jeweils individuelles Aussehen.

Die Tatsache, daß Berge geneigte Flächen aufweisen, deren Existenz ja im übrigen erst den Berg ermöglicht, ist kein ausreichender Grund für das Postulat des geneigten Daches. Die Tatsache, daß auf Bergen Bäume wachsen, ist kein ausreichender Grund für die Verwendung von Holz als Baumaterial, wiewohl es auch kein Grund gegen dessen Verwendung ist. Die Tatsache, daß Berge großteils aus Stein sind, begründet nicht das Erfordernis der Verwendung dieses Materials für die Gebäude.

Der Begriff des landschaftbezogenen Bauens ist ein Mythos, hinter dem sich Mißtrauen gegenüber neuen Bauformen, Sehnsucht nach einfachen Welten wie jener des sogenannten traditionellen Bauens verbergen.

Dies heißt keinesfalls, daß überall gleich gebaut werden soll. Behauptet wird lediglich, daß die Gestaltungskrücke des Landschaftsbezugs eben nur 1 solche ist, und kein tatsächlich berechtigter 1flußfaktor

die sensibilität des entwerfers kann durch nichts ersetzt werden

Jedes architektonische Objekt nimmt Bezug auf den vorgegebenen Ort. Das Aufnehmen der Besonderheiten/ des Charakters desselben ist wesentlicher Teil des architektonischen Entwurfs.

Geländeform, Sonne, Wind, Boden, Aussicht, Klima. Diese Faktoren beeinflussen die Entstehung des Objekts, beeinflusssen auch seine Plazierung am Ort wie auch der Ort durch das Objekt beeinflusst und verändert wird..

Überlagert werden diese Faktoren durch Individuelle und das heute Machbare (so gewollt und finanziert) Soweit Landschaft in den Ort spielt (Aussicht), entsteht Landschaftsbezug.So wird Aussicht vermehrt in gebirgiger Landschaft entstehen.

Besondere, starke landschaftliche Ausprägungen, oder eben örtliche Ausprägungen, die auf Grund Ihrer Dimension oder Stärke landschaftsbestimmend werden, wie Wasserfall, Felswand, Berggipfel führen zur Überschneidung der Begriffe Ort und Landschaft. Bei diesen besonderen Situationen entsteht Landschaftsbezug auf das Bauen.

Eine solche starke landschaftliche Ausprägung kann auch selbst zum Thema der Architektur werden.

Ein Dialog zwischen Landschaft und architektonischem Objekt entsteht

Dies ist jedoch immer ein individueller Akt des Architekten, seine freie Entscheidung, keine ortsübliche Bauform.

die landschaft beeinflußt das bauen nicht

die landschaft beeinflußt das denken

das denken ist frei


selbstbeobachtung bei jedem neuen entwurf mit der frage; wie geht das eigentlich.

es existieren ausgangspunkte der planung.

die planung erfolgt im schnittbereich von:

ort

bauherrn

material /technologie / ökologie / kosten /etc.

im schnittbereich der 1flusskreise liegt 1 1grenzbare fläche:die bedeutung / der anteil der 1flusskreise am ergebnis ist jeweils unterschiedlich: auch die radien und lagen der 1flußkreise ändern sich von projekt zu projekt und auch innerhalb desselben laufend:so kann 1 bauplatz 1 interessanter; stark ausgeprägter ort sein: so können bauherrn durch ihre person besondere herausforderungen bringen: die bauherrn be1flussen nicht nur durch ihre verbalen wünsche; sondern auch durch ihre persönlichkeit und ihre lebenshaltung

die einflussfaktoren lassen 1 abstrakte intention entstehen: ob diese in verbaler umschreibung; in bildern oder in semantischen äusserungen ( pelikan beim tauchvorgang; rückenfliegende schildkröte u:ä:); beschrieben wird ; ist 2ndär: alle beschreibungsvorgänge dienen nur der annäherung an das architektonische ziel und helfen durch ihre spiegelfunktion als kontrolle des weges

der entstehende schnittbereich der 1flussfaktoren definiert nicht die formale umsetzung; er wirkt lediglich ausschliessend: die letztlich entstehende form ist nicht rational-logisch bestimmbar: somit verbleibt immer 1 imaginärer schritt; welcher sich sowohl seiner definition als auch seiner beschreibung entzieht

das resultat der arbeit entsteht nach input verschiedenster informationen in 1 anderen sprache als jene, in welcher die inputs formuliert sind. daher kann die umsetzung nie vollständig mit 1 verbalen zielsetzung deckungsgleich sein

im positiven fall birgt die wirkung der entstandenen bausubstanz neben vorher klar (funktional) definierten und umgesetzten ergebnissen das resultat der ursprünglichen abstrakten intention: dies mag nun über das medium raumeindruck; lichtwirkung; materialspiel oder eben durch den mix aller sinneseindrücke entstehen: hier liegt zugleich jener bereich; welcher nicht rational-logisch bestimmbar und daher auch nicht vollständig vorhersag/sehbar ist: insofern birgt jede bauführung auch für die entwerfer ein spannendes moment: insofern ist die ausführung baulicher vohaben und gedanken wesentlich

im schnittbereich der 1flusskreise bestehen immer mehrere gleich gute lösungen: es gibt immer viele falsche; aber nicht nur 1 richtige antwort: die entscheidung für 1 der möglichen lösungen ist auch zufällig. diese zufälligkeit ist nicht zu verwechseln mit beliebigkeit: die gleiche planung um 1 woche zeitverschoben führt jedoch zu 1 anderen ergebnis:: allein die tatsache; dass sich bauherr und architekt 1 woche später treffen; verändert unweigerlich das resultat: dies heisst keinesfalls; nicht jederzeit alle anstrengungen zur erlangung 1 optimalen ergebnisses zu unternehmen;jedes gebaute objekt ist jedoch wie 1 fotografie die spiegelung der momentanen entscheidungen


brockhaus 1993

ausgangspunkte

umgang mit alt und neu

vom wochenendhaus zum ganzjährigen wohnsitz

die neue lebensform und haltung zum ausdruck bringen

das vorhandene nicht abreißen als ausgangspunkt nehmen

das haus ist teil des erbes und daher durchaus auch ehrenvoll zu behandeln: wäre dieses nicht vorhanden; so wäre 1 bauführung an der stelle nicht möglich gewesen:

der kleine geist ist auszutreiben

das gleichgewicht zwischen diesem bestreben und dem respekt vor dem haus:

lustvolles hinzufügen verschiedener teile; die das alte umhüllen; aufreißen; nicht zerstören

Handwerk & Sichtbeton

Der Architekt, gewohnt an die Ästhetik der geraden Linie auf dem sauberen Zeichenblatt oder neuerdings auf dem fingertapperfreien Bildschirm erwartet eine ebensolche Perfektion von der Sichtbetonwand. Oftmals, sei es durch einen schief gehaltenen Betonrüttler, die Art des Kieses, die Stimmung auf der Baustelle wird dieser jedoch nicht so ideal wie gedacht. Der böse Baumeister wird alsdann angehalten, durch schleifen, färbeln, spachteln oder im schlimmen Fall durch presslufthammern Abhilfe zu schaffen. Die Frage ist, ob nicht 1 an manchem Eck unperfekte Sichtbetonwand dem menschlichen Maß und dem diesem innewohnenden Zufall mehr entspricht als das Resultat einer industriellen Perfektion und Multiplizität.


haus sperner 1994 thaur

ausgangspunkte

stichwort toscanisches haus

rationale haltung

der hang geht in den talboden über

ortsrand

der verlauf des hanges in den talboden bestimmt den ort sowie die aussicht auf die gegenüberliegenden berge inclusive klassiker wie kofel und serlesdas zueinander von gebäudeteilen; um auch selbst das eigene haus vom eigenen haus aus sehen zu können sowie die nachbarschaft führten zu anordnung von 2 baukörpern


haus schwab 1995 blotzheim, elsass/frankreich

kante zum rheintal

naturwissenschaftlicher bauherr

die ausführunmg des hauses erfolgte durch einen lokalen fertighausbauer: dadurch, durch die illustre oder illustrierte umgebung und durch die radikal naturwissenschaftlich-rationale haltung des bauherrn entstand der wunsch nach besonders reduzierten mitteln

das haus steht an einer geländekante, welche die ausläufer des jura zum rheintal abschliesst:

das haus hat 1 geschlossene und 1 offene seite: die offene wendet sich der freien sicht auf das land, nach westen zu:auf der anderen seite bietet sich lediglich von der galerie der blick auf das tal mit dem flughafen

grundrisslich besteht 1 klare gliederung in einen 2 m schmalen servicetrakt (wf; küche; nassräume; gast) und einen breiten wohnstreifen:

im eg erstreckt sich der aufenthaltsbereich über die ganze hauslänge

die mittlere ,2geschossige zone bildet die verknüpfung mit dem og: hier ist der rückzugsbereich offen nach unten und mit aussicht nach osten auf das rheintal; und ist der knoten von eltern und kinderschlafbereich:

farben innen weiss und helles gelb: aussen betont die rote farbe die homogeneität des kubus


mpp:1995 supermarkt der firma mpreis in pfunds im tiroler oberland

ausgangspunkte

einkaufserlebnis arbeitsplatz ausblick einblick flächennutzung baukosten optimale interne funktion raum und licht

1 markt (1 markthalle) bietet die besondere möglichkeit; am land 1 unbelastete bauform herzustellen: der gebäudetyp ist nicht durch bilder besetzt wie andere (hotel; gasthaus; gemeindeamt; etc): die oftmaligen wiederstände gegen neues bauen haben nur mit traditionellen vorstellungen in den köpfen der leute zu tun: die rezeption eines supermarktes erfolgt vorurteilsfreier:

der bauplatz war am ortsrand an der umfahrungsstraße; zu fuß 3 minuten von der kirche eine nasse wiese und ein felsiger hang voller wasser und quellendas gebäude verwendet keine grundfläche; welche für wohnen zur verfügung gestanden hätte: durch massives abgraben des hanges und wiederbegrünung des dort entstandenen daches verschwindet 1 teil des volumens im gelände:

die situierung der eingangsfassade zeigt nach n; wodurch großteils glas möglich wird ohne zu viel direkte sonne ins gebäude zu kriegen (hitze- und warenzustandsproblem)durch die lage im und am hang entsteht 1 2teilung des gebäudes- 1 niedererer mit massiver decke 1 höherer mit leichter stahl-holzkonstruktion: es entstehen 2 unterschiedliche raumabschnitte; 1 introvertiert; höhlenhaft; 1 nach außen gewandt; hell:

1.xige verwendung der holzstapeldecke in a: 16-18cm hohe aufgestellte; miteinander vernagelte bretter unten; 12cm beton oben; verbunden und die schubkräfte aufnehmend durch schrauben; sonst keine bewehrung: dadurch wesentlich höherer anteil an biomasse als bei stahlbetondecken: preislich wie sichtbeton:

die auflagerung am mittleren stahlfachwerk erfolgt wiederum über den beton; wodurch hier das holz am beton unter dem stahlträger hängt: der stahlträger liegt auf stahbetonsäulen; welche durch das holz gebohrt sind: dadurch entsteht der irreführende 1druck; dass das holz nur abgehängt wäre:

das dach des höheren traktes ist aussen aus trapezblech in türkisgrün; der farbe die der inn dort oft hat:

innen haben die wände farben; dadurch bilden diese im ausgleich zur optischen unruhe der regale visuellen halt

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